Dr. Martens ORIGINAL vs. Dr. Martens VINTAGE (updated: 30.11.2010)

Seit Dr. Martens wieder Schuhe in England herstellen, kann man sie auch ohne moralische Bedenken wieder kaufen. Anbei ein paar Impressionen aus dem Vergleich: alt gegen neu; ORIGINAL gegen VINTAGE. Beide Stiefelpaare wurden in England hergestellt: einmal vor dem Outsourcing nach China (≤2003) und einmal danach (≥2007).

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(ORIGINAL: Datum der Herstellung unbekannt, auf jeden Fall vor 2003.)

(VINTAGE: Herstellung wahrscheinlich zwischen 2009 und 2010)

(ORIGINAL: das klassische abflachen der Tips nach langem Gebrauch)

(VINTAGE: zwei Wochen getragen, also fast neu)

(ORIGINAL: Ein Schuhmacher erklärte mir einmal, dass Ösen nur dann ausfransen wenn das Werkzeug stumpf wird.)

(VINTAGE: Auch hier sind die Ösen ausgefranst.)

(ORIGINAL links; VINTAGE rechts: die Innennaht ist nahezu identisch. Lediglich die brüchige Umrandung fehlt bei der Neuauflage.)

(ORIGINAL links; VINTAGE rechts: das Profil hat sich verändert. Die Gummimischung im alten Schuh ist inzwischen so hart, dass das „Bouncing Soles“ keine Bedeutung mehr hat. Man beachte auch das „The Original“ auf der alten Schuhsohle.)

(VINTAGE: „MADE IN ENGLAND“. Der Schriftzug fehlt auf der chinesischen Variante.)

(VINTAGE: eine stabile Naht verhindert, dass sich der Schuh an dieser sehr stark belasteten Stelle auflöst.)

(VINTAGE: eine ebenfalls sehr stark beanspruchte Stelle. Alle Dr. Martens die ich bis jetzt besaß sind mir am Knick früher oder später aufgegangen. Da die Nahtlöcher aber ausreichend groß dimensioniert sind, kann man sie einfach von Hand nachnähen wenn der Faden dort reißt.)

Fazit: meiner Meinung nach, handelt es sich bei den VINTAGE Dr. Martens um eine gute Kopie, aber kein Original. Letztendlich bemängele ich nicht die Verarbeitung, sondern die Qualität des Leders. Es wirkt auf mich viel brüchigiger und vielleicht sogar „billiger“ als das, das vor Jahren verarbeitet wurde. Die Punzierung, also die kleinen Poren auf dem Leder lässt es einfach ungewohnt erscheinen. Das sieht man gut auf dem Ösenbild: während das alte Leder richtig speckig und zäh aussieht, was es auch ist und auch schon beim Kauf der ORIGINAL war, könnte man meinen, dass das neue Leder ausgetrocknet und brüchig sei. Prophylaktisch habe ich deshalb die VINTAGE sehr gut eingefettet, und das auch häufiger als ich es sonst bei Lederschuhen machen. Und siehe da: das Fersenleder ist trotzdem nach knapp zwei Monaten gebrochen (ein Bild davon folgt).
Das macht die VINTAGE nicht zu schlechten Schuhen, vielleicht habe ich auch nur ein Montagspaar erwischt, aber man sollte sich überlegen ob die „Good ol‘ Docs“ wirklich noch so „good ol‚“ sind.

Sollten Leser dieses Artikels andere oder ähnliche Erfahrungen mit den VINTAGEs gemacht haben, so bitte ich diese in die Kommentaren einzutragen.

Nachtrag vom 21.11.2010:

Das defekte Fersenleder.

Nachtrag vom 30.11.2010:
Die Schuhe fette ich mit ganz normalem handelsüblichen Lederfett, das allerdings Bienenwachs enthält. Gerade im Winter schont Wachs das Leder, welches sonst Salz und übermäßig Feuchtigkeit aufnimmt.
Zur Fersenlederreparatur verweise ich auf „Fresh Shoes“ Schuhmachermeister Manfred Meyer aus Stuttgart. Er hatte mir vor einem halben Jahr ein Fersenleder in meinen Coyote Cowboyboots erneuert. Ich hatte ihm die Boots geschickt, weil ich hier in Mönchengladbach keinen Schuster gefunden habe, der sich an Schlangenlederstiefeln versuchen wollte. (O-Ton: „dazu fehlt mir die Maschine!“ – gemeint war eine Sattlernähmaschine).
Natürlich gibt es inzwischen massig Online-Schuster, sogar bei eBay, wohl unterscheiden sie sich heftig im Preis. Der erste, den ich anschrieb, machte mir für die Reparatur einen Kostenvoranschlag von über 200€, weil er die Stiefel zerlegen wollte. Herr Meyer hat mir letztendlich die Stiefel inkl. neuer Absätze und Versand für 40€ repariert. 18€ davon für das Fersenfutter.